Große Ostbayerische Kunstausstellung 2004

GEDANKEN ZUR
GROSSEN OSTBAYERISCHEN KUNSTAUSSTELLUNG 2004

Im Jahr 2004, kurz nach der großen Erweiterung des Hauses "Europa" nach Osteuropa hin, lädt der Berufsverbandes Bildender Künstler Niederbayern/Oberpfalz zur Jahresausstellung Gastkünstler aus Tschechien ein. Der BBK sucht auf diese Weise Kontakt nach Außen und hofft so zukünftig auf einen verstärkten künstlerischen Dialog. Dankenswerterweise konnte der BBK für diesen Dialog den Kreuzgang des Dominikanerklosters als zusätzlichen Ausstellungsraum bekommen.

Tschechien, unser nächster europäischer Nachbar, hat eine äußerst lebendige Kunstszene. Aus dem historischen Kontext heraus haben sich schon lange intensive Beziehungen zwischen Regensburg, Pilsen und Prag entwickelt. In der Region Ostbayern gibt es sehr viele Beispiele intensiver kultureller Zusammenarbeit mit Tschechien. Die Zusammenarbeit, das gemeinsame Entwickeln von künstlerischen Aktivitäten, ist für beide Seiten befruchtend. So können im Zusammenhang mit Kunst und Kultur Fragen diskutiert werden, die womöglich in den verschiedenen Ländern eine unterschiedliche Gewichtung erfahren:

Kann Kunst, können die KünstlerInnen im Erweiterungsprozess Europas etwas Substanzielles beitragen? - Welche Rolle können und werden sie in einer "globalisierten" Welt weiterhin spielen? - Hat Kunst die Kraft in einer medialisierten Gesellschaft Gegenwelten aufzubauen? - Benutzt die öffentliche Hand das derzeitige finanzielle Dilemma um sich aus Kunst- und Kulturförderung total zurückzuziehen? - Warum fällt ein im Grundgesetz verankerter Auftragt - die Kulturförderung - bei den Kommunen unter freiwillige Leistungen? - Legt man durch die Abkehr von fundierter Kunstförderung und Kunstvermittlung (z.B. in den Schulen) unserer Gesellschaft möglicherweise eine kulturelle Zeitbombe? - Wie ist in wirtschaftlichen und finanziell schwierigen Zeiten das Verhältnis Kunst und Politik? - Entwickelt sich der überwiegende Teil zeitgenössischer Kunst in Richtung Kunstgewerbe und Kulturbetriebskunst? - Lassen sich die KünstlerInnen willig vor den Wagen der Zerstreuung und dekorativen Plattheiten unserer eventversessenen Medienkultur spannen? - Geht der Bewerbungswahn, Kulturhauptstadt Europas zu werden, im Grunde auf Kosten kultureller Nachhaltigkeit? - Welche Rolle spielen dabei die Sponsoren? - Macht die Auseinandersetzung mit Kunst das Leben leichter oder eher schwieriger?

Fragen über Fragen, denen wir nicht aus dem Weg gehen können und die wir gemeinsam diskutieren sollten.

Ludwig Bäuml
1.Vorsitzender
BBK Niederbayern/Oberpfalz

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