Kunst an der Regierung - Franz Weidinger
Vorwort des Regierungspräsidenten
Betrachtet der Ausstellungsbesucher die Stelen von Franz Weidinger aus einer gewissen Entfernung, so wird ihm zunächst vielleicht gar nicht bewusst, was sie bedeuten sollen. Erst bei näherer Betrachtung, meistens in Augenhöhe, erblickt er die zierlichen Körper, fast immer aufrecht, in Bewegung, entspannt oder auch nachdenklich. Jede Figurine ist ein Unikat - klein, aber gleichzeitig groß im Ausdruck. Die „Menschlein aus hartem Holz“ sind Franz Weidingers künstlerisches Thema. Seine kleinen, zarten Körper sind fest verwachsen mit dem ursprünglich klobigen Holzklotz, sind aus einem Stück, ja verschmolzen. Es kommen Schreine hinzu, wie die Hausgottheiten im alten Rom. Die Figurinen können sich zeigen, aber auch verbergen. Raffiniert verschwinden die kleinen Menschen in ihren Schreinen, ihren Behausungen. Die Natur und die Natürlichkeit spielen dabei eine große Rolle, die kleinen Körper werden eins mit Eiche, Birne oder Kirsche, werden vom Holz umhüllt und beschützt.
Sie sehen, liebe Besucher, wir haben für unsere Reihe „Kunst bei der Regierung“ gemeinsam mit dem Berufsverband Bildender Künstler Niederbayern/Oberpfalz wieder einen interessanten Künstler, diesmal einen Bildhauer, eingeladen, der uns mit seinen Figurinen bestimmt viel Freude bereiten wird. Der in Neumarkt i. d. OPf. geborene Franz Weidinger zeigt uns mit seinen „Stäben-Stelen-Schreinen“, was die Natur so alles hergibt. Vielleicht verlieben auch Sie sich in ein „Menschlein aus hartem Holz“!
Dr. Wolfgang Kunert
Regierungspräsident
KUNST BEI DER REGIERUNG
Zum Geleit
Kunst und Kultur kann nicht überall wachsen. Es muss ein entsprechendes Klima vorhanden sein, in dem Künstlerinnen und Künstler arbeiten und leben können. Diese besondere Qualität kultureller Lebensmöglichkeiten zeigt sich u. a. in der Vielfalt der angebotenen kulturellen Prozesse.
Die gezeigten Ausstellungen unterschiedlichster künstlerischer Ausdrucksformen und Intentionen im Ausstellungsraum der Regierung der Oberpfalz als wichtige Facetten unseres Kulturlebens in der Oberpfalz unterstützt eine positive Atmosphäre.
Die damit verbundene Auseinandersetzung mit der zeitgenössischen bildenden Kunst in unserer Region, angefangen von Grafik über Malerei, Fotografie, Installation bis hin zur Bildhauerei, sollte als weitere Chance zum Nachdenken über uns selbst verstanden werden und uns für den Umgang mit anderen sensibilisieren.
Mein Dank gilt allen, die diese Ausstellungsreihe möglich machen und mit Rat und Tat unterstützen.
Ludwig Bäuml
Maler/Objektkünstler
1. Vorsitzender BBK Ndb./Opf.
Werkbeschreibung Franz Weidinger:
Die „Menschlein aus dem harten Holz“ sind Franz Weidingers künstlerisches Thema. Rissige raue Bretter und grobe mächtige Balken, kettengesägt aus Eiche, Birne und Kirsche erweckt er zu Leben, holt in feinster Schnitztechnik kleine zarte Körper aus dem schützenden Holz. Dann stehen sie und bewegen sich frei und selbstbewusst auf und in ihren bisherigen Behausungen, deren Teil sie immer noch sind; geheimnisvoll und numinos unstet scheinen sie, werden daher auch festgehalten, gebannt in Bronze und organisch in ihren Ursprung Holz eingefasst. Sie stehen für den Kulturkosmos abendländisch-paganen Denkens, binden antike Baumgottheiten, altrömische Manen und romantische Elfengestalten zur ergreifenden Ahnung einer human-beseelten Natur, die uns hier monumental einfach entgegen tritt.
Die letztlich spirituelle Ikonographie von Weidingers Kunst korrespondiert mit einer geradezu rituellen Formfindung seiner Stäbe und Stelen: die im massiven Hartholz „versteckte“ Gestalt wird im künstlerischen Schaffensprozess frei, es findet gleichsam eine „Enthüllung“ statt, das schon vorhandene, aber noch unsichtbare, kultisch erfahrbare Numen offenbart sich. Dies ist nun freilich ein uralter Topos abendländischer Kulturgeschichte, der von den Eleusinischen Mysterien der griechischen Antike über die Flügelaltäre des christlichen Mittelalters bis zur Profanität neuzeitlicher Denkmalsenthüllungen reicht: das Velum wird weggezogen, die Wahrheit kann geschaut werden!
Der kultische Charakter von Weidingers Kunst zeigt sich dann noch eindeutiger in den Schreinen. Das im Holzblock Verborgene soll vom Betrachter selbst enthüllt werden, der schöpferisch-kreative Vorgang der Gestaltwerdung wird immer wieder von Neuem zeremoniell vollzogen, das Kunstwerk vom Beschauer neu erschaffen!
Emanuel Schmid M.A.
Kunsthistoriker/Galerist
Kunstkontor Westnerwacht
www.kunstkontor-westnerwacht.de
