Kunst an der Regierung - Wolfgang Keuchl

Sowohl die Polaroid-Collagen als auch Wolfgang Keuchls Zeichnungen kreisen im Wesentlichen um einige signifikante Gegenstände: Da ist einmal die Jacke, da sind Tisch und Stuhl, und in den neuen Ölpastellen kommt das Haus noch dazu. Das Quadrat des Polaroidformats und das universellste aller Symbolzeichen, nämlich das Kreuz, bestimmen oder begleiten häufig die Bildinhalte.
Tisch und Stuhl sind Vertreter oder Platzhalter für den abwesenden Menschen, der vielleicht gegangen ist oder erst erwartet wird. Die Jacke als Umriß des Menschen, vor allem die getragene Jacke, läßt beinahe noch den Abdruck des Menschen erkennen, der sie mit seinem Körper modelliert hat. „Aber Kleider sind immer Häuser. Häuser des Menschen“. So ist vielleicht in den neuesten Bildern von Wolfgang Keuchl die Jacke ersetzt durch die Form des Hauses. Das sichere, festgefügte Haus, das Schutz gibt, beherbergt eine Vielzahl von wesenhaftem Mobiliar, das aber bereits danach trachtet, die festen, gleichwohl aber auch beengenden „Mauern“ des Hauses zu durchbrechen und sich nach draußen, ins Unbestimmte zu tasten.
Das geometrische Symbol des Quadrates drückt die Orientierung des Menschen im Raum aus. Wie beim Kreuz steht der Wunsch im Vordergrund, sich in einer chaotisch erscheinenden Welt durch die Einführung von Richtungen und Koordinaten zurechtzufinden. Das Kreuz bildet zunächst den Schnittpunkt von oben nach unten und von rechts nach links und damit die Vereinigung zu einer Ganzheit, die der Menschengestalt mit ausgestreckten Armen entspricht. So ist also im Werk Wolfgang Keuchls immer, trotz seiner Abwesenheit, der Mensch gemeint und steht im Mittelpunkt seines Schaffens.

Wilma Rapf-KarikariKunde an der Regierung - Wolfgang Keuchl

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